Nachwuchs im Elefantengehege - Zoo Wien

Im Tiergarten Schönbrunn gab es in diesen Tagen einen Präzedenzfall zu vermelden: Die 28 Jahre alte Elefantenkuh, die auf den Namen Tonga hört, hat nach einer Tragzeit von fast 21 Monaten am 4. September um 19.30 Uhr ihren zweiten Nachwuchs zur Welt gebracht. Der Tiergarten Schönbrunn hatte drei Namen für das Elefantenbaby zur Auswahl gestellt, über welche Interessierte im Internet abstimmen konnten. Mit einer Mehrheit von über 50% fiel die Entscheidung auf Ihqwa, was in der Sprache der Zulus soviel wie "Eis" bedeutet.

Der Name hat jedoch eine tiefere Bedeutung, wenn man sich die besonderen Umstände der letztendlich problemlosen Geburt anschaut: Das neugeborene Elefantenweibchen entstand aus einer künstlichen Besamung. Wenngleich die Hilfe der Technik schon seit Jahren zur Zucht von Tieren genutzt wird, so wurde in diesem Fall zum ersten Mal erfolgreich tiefgefrorenes Sperma eines Wildbullen aus Afrika wieder aufgetaut und führe zu einer erfolgreichen Befruchtung. Bisher gelang dies nur mit frischen oder gekühlten Samenzellen, doch für den weiten Transport über Kontinente hinweg war dies keine Option; die empfindlichen Zellen hätten die Reise nicht unbeschadet überstanden.

Für die Tiergartendirektorin Dagmar Schratter ist die erfolgreiche Geburt eine richtige Sensation, denn nur in zwei Fällen hatte das Einfrieren von Samenzellen und anschließendes Wiederauftauen zu Trächtigkeiten geführt, die jedoch beide frühzeitig endeten.

Der Erfolg in diesem Fall könnte sich auf andere Bereiche und vor allem gefährdete Tierarten ausweiten, deren Zucht in der Obhut von Menschen deutlich vereinfacht würde. Zu verdanken ist dieses erfreuliche Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem Tiergarten Schönbrunn und dem Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), welches die neue Technik für das Einfrieren und wieder Auftauen der Samenzellen entwickelte.

Die kleine Ihwqa wird momentan von Tonga jede halbe Stunde gesäugt und folgt ihrer Mutter ansonsten mit unsicheren Schritten an jeden Ort und auch die bereits im Jahre 2003 geborene Schwester Mongu kümmert sich um das jüngere Geschwisterchen. Um dem Dreiergespann die nötige Ruhe zu gönnen, halten sie sich momentan vorwiegend im hinteren Bereich der Anlage auf, wo die jüngste auch gerne ihrer liebsten Beschäftigung nachgeht: Dem Duschen. Obwohl die Reinigung der Elefantenhaut für die Tiere eine notwendige Pflege ist, hat Ihwqa großes Vergnügen daran gefunden. Es bleibt zu wünschen, dass es nur die erste von vielen Freuden im Leben der Dickhäuterin ist.

01.10.2013